Dieses Symbol markiert die Stelle zwischen den Augenbrauen, die in der hinduistischen und yogischen Tradition als das sechste primäre Chakra gilt – das sogenannte „dritte Auge“ oder das Zentrum der verborgenen Weisheit.
Ein Zeichen des göttlichen in Dir
Hast du dich schon einmal gefragt, warum Hindus in Indien und Nepal oft einen Punkt oder ein Zeichen auf der Stirn tragen? Dieses Symbol, bekannt als Tika (टीका) oder Tilak (तिलक), ist weit mehr als nur Dekoration. Es markiert die Stelle zwischen den Augenbrauen, die in der hinduistischen und yogischen Tradition als das sechste primäre Chakra (Ajna-Chakra – आज्ञा चक्र) gilt – das sogenannte „dritte Auge“ oder das Zentrum der verborgenen Weisheit. Indem du diesen Punkt trägst, wird dieser spirituelle Energiepunkt aktiviert, der dir Klarheit, Konzentration und inneres Wissen verleihen soll. Er steht als sichtbares Zeichen deiner Frömmigkeit und deines Respekts gegenüber den Göttern.
Vielfalt der Formen und ihre spirituelle Bedeutung
Die Form und Farbe deines Tika oder Tilak verrät viel über die Gottheit, der du dich verbunden fühlst. Verehrst du Vishnu und seine Inkarnationen, trägst du oft einen vertikalen Strich oder drei vertikale Linien (Urdhva Pundra – ऊर्ध्व पुण्ड्र), häufig mit einem roten Punkt in der Mitte. Als Verehrer Shivas trägst du hingegen zumeist drei waagerechte Streifen aus heiliger Asche (Tripundra – त्रिपुण्ड्र), die die drei Welten, die drei Gunas (Eigenschaften) und die Zerstörung des Ego symbolisieren. Frauen tragen häufig den einfachen roten Punkt, der als Bindi (बिन्दु) bekannt ist. Unabhängig von der spezifischen Tradition dient das Tika als Segenszeichen, das dich schützen und dich an deine spirituellen Pflichten (Dharma – धर्म) erinnern soll.

Tika in Nepal: Das große Fest Dashain und die Kumari
In Nepal spielt das Tika eine besonders zentrale Rolle während der wichtigsten Feste. Beim zehntägigen Nationalfest Dashain ist der Höhepunkt der Tag Vijaya Dashami (विजय दशमी). An diesem Tag ist es ein bedeutendes Ritual, dass du von den ältesten Familienmitgliedern das Tika empfängst, meist bestehend aus einem Gemisch aus Reis, Joghurt und rotem Farbstoff (Abir – अबिर) als Zeichen des Segens, des Schutzes und der Glückseligkeit. Zusätzlich erhältst du Gerstensprossen (Jamara – जमरा) für Wohlstand und Langlebigkeit. Auch die lebende Göttin von Kathmandu, die Kumari (कुमारी), drückt Besuchern und früher dem König, ein rotes Tika als ihren göttlichen Segen auf die Stirn.
Das Lichterfest Tihar und die Geschwisterliebe
Ein weiteres wichtiges nepalesisches Fest, bei dem das Tika zelebriert wird, ist Tihar (तिहार), das Lichterfest. Hier sticht der fünfte Tag, Bhai Tika (भाइ टीका), heraus, der ausschließlich der Liebe und Fürsorge zwischen Geschwistern gewidmet ist. Als Schwester setzt du deinem Bruder ein besonderes, farbenprächtiges Tika, das Saptarangi Tika (सप्तरंगी टीका – siebenfarbiges Tika), auf die Stirn. Mit diesem Ritual und einer Girlande aus der langlebigen Makhamali-Blume (Gomphrena globosa) bittest du die Götter um ein langes Leben und Wohlergehen für deinen Bruder. Im Gegenzug erhältst du Segnungen und Geschenke von ihm, was die tiefe familiäre Verbundenheit in der nepalesischen Kultur unterstreicht.
Dein Tilak als Teil der Kultur
Ob als religiöses Zeichen des dritten Auges, als Segen durch Priester oder Ältere, oder als festliches Symbol familiärer Bindung in Nepal: Das Tika ist ein tief verwurzelter kultureller Brauch, der Tradition, Glauben und soziale Strukturen verbindet. Es symbolisiert Schutz vor negativen Energien, ist ein Mittel zur Konzentration des Geistes und manifestiert die göttliche Präsenz in dir. Wenn du das nächste Mal ein Tika siehst oder selbst eines trägst, wisse, dass du Teil einer jahrtausendealten Tradition bist, die in jedem Punkt eine tiefere spirituelle und kulturelle Geschichte erzählt.

















