Kumkum

Kumkum

Kumkum ist ein unverzichtbarer Bestandteil vieler hinduistischer Rituale, insbesondere der Pujas (Verehrungszeremonien), und wird als heiliges Pulver betrachtet, das auf die Stirn aufgetragen wird.

Foto: Raksha Bandhan: Hintergrund mit Rakhi-Schnur, Reiskörnern und Kumkum

Ursprung und Etymologie des Wortes Kumkum

Das rote Pulver, in Indien weit verbreitet und rituell verwendet, ist im Sanskrit als Kuṅkumam (कुङ्कुमम्) bekannt. Dieses Wort wird oft als „Safran“ übersetzt, was auf eine historische Verbindung oder die leuchtend rote Farbe des Safrans hinweisen könnte. Es ist bemerkenswert, dass das Wort Kumkum oder Kumkuma in verschiedenen regionalen Sprachen Indiens, wie Tamil, Telugu, Konkani, Marathi, Gujarati, Bengalisch und Hindi, in leicht abgewandelter Form existiert, was seine tiefe und weitreichende Verankerung in der gesamten indischen Kultur belegt. Die sprachliche Wurzel weist auf eine traditionelle Verwendung als Farbstoff oder als Bezeichnung für das daraus gewonnene Pulver hin, das in der vedischen und nachvedischen Tradition eine signifikante Rolle spielt.

Herstellung und Materialität von Kumkum

Kumkum wird traditionell nicht aus Safran, sondern aus Kurkuma gewonnen, was in indischen Überlieferungen und Herstellungsprozessen deutlich wird. Die Kurkuma, deren Pulver ursprünglich gelb ist, wird getrocknet und anschließend mit gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid) vermischt. Durch diese alkalische Reaktion entsteht eine leuchtend rote Farbe. Die Farbe Gelb, die Farbe der Kurkuma, wird in diesem Kontext oft symbolisch mit der Gebärmutter assoziiert, während das daraus resultierende Rot des Kumkum die Blutflecken der Gebärmutter darstellt. Die Kombination von Kurkuma und Kumkum wird daher in einigen Interpretationen als Darstellung von Wohlstand und Fruchtbarkeit angesehen. Heutiges Kumkum kann auch aus anderen natürlichen Materialien wie Blumenpigmenten und Kräuterextrakten hergestellt werden.

Rituelle und spirituelle Bedeutung des roten Pulvers

Kumkum ist ein unverzichtbarer Bestandteil vieler hinduistischer Rituale, insbesondere der Pujas (Verehrungszeremonien). Es wird als heiliges Pulver betrachtet, das auf die Stirn aufgetragen wird, eine Handlung, die als Tilak oder Tika bekannt ist. Dieser rote Punkt oder Strich wird typischerweise auf den Raum zwischen den Augenbrauen, dem sogenannten Ajna Chakra (dem sechsten Chakra oder „dritten Auge“), platziert. Dieser Punkt gilt als der Sitz des inneren Lehrers (Guru) und der Empfänglichkeit für spirituelle Energie. Durch das Auftragen von Kumkum wird dieser Ort als aktiviert und gereinigt angesehen, was die schöpferische und feurige Kraft der göttlichen Mutter (Shakti) symbolisiert. In der hinduistischen Tradition gibt es verschiedene heilige Pulver für die Stirn: Shaiviten (Shiva-Verehrer) tragen Vibhuti (Asche) auf, Vaishnavas (Vishnu-Verehrer) tragen Chandana (Sandelholzpaste) auf, während Shaktas (Shakti-Verehrer) oft Kumkum verwenden, um die schöpferische Energie der Göttin zu verehren.

Kumkum als Symbol des Ehestands und Glücks

In weiten Teilen Indiens trägt das rote Kumkum eine tief verwurzelte soziale und symbolische Bedeutung, insbesondere für Frauen. Verheiratete Frauen tragen das rote Pulver täglich als Sindoor auf ihren Scheitel über der Stirn, ein leuchtend roter Streifen, der ein weithin sichtbares Zeichen ihres Ehestandes ist. Es symbolisiert Glückseligkeit (Saubhagya) und den Wohlstand des Ehemanns. Obwohl unverheiratete Mädchen traditionell oft ein Bindi (ein dekorativer Punkt) tragen, ist das durch Kumkum gezeichnete Sindoor primär ein hochheiliges Symbol der Ehe. Das Bindi selbst leitet sich vom Sanskritwort Bindu (Tropfen, Punkt) ab und gilt als glücksverheißendes Zeichen, das nicht auf eine bestimmte Kaste hinweist, sondern generell Segen und Schutz gewährt.

Quellennachweis

Die Informationen basieren auf der traditionellen indischen Überlieferung und Darstellung, wie sie in den folgenden Kontexten und Begriffen belegt sind:

  • Sanskrit-Lexika und Texte: Der Begriff Kuṅkumam (कुङ्कुमम्) findet sich in klassischen Sanskrit-Wörterbüchern und ist dort als Safran oder rotes Pulver verzeichnet.
  • Religiöse Schriften und Rituale (Shakta-, Shaiva- und Vaishnava-Traditionen): Die Verwendung von Kumkum als Tilak oder Segenszeichen in Pujas und bei der Verehrung der Shakti (göttliche Mutter) ist ein wiederkehrendes Thema in den Schriften dieser Traditionen, wobei es als Ausdruck schöpferischer und feuriger Kraft gilt.
  • Ayurvedische und Traditionelle Herstellungsbücher: Die traditionelle Herstellung des roten Pulvers aus Kurkuma (Haldi) und gelöschtem Kalk (Chuna) ist in vielen traditionellen indischen Texten und praktischen Anweisungen für rituelle Substanzen beschrieben.
  • Soziokulturelle Kontexte: Die Bedeutung von Kumkum als Sindoor (Zeichen der Ehe) ist tief in den indischen soziokulturellen Bräuchen und Traditionen verwurzelt.

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